Erscheint in Kürze: oratio generalis sororis Mechthildis. Philologische Fürsorge für den authentischen Wortlaut in der Erfurter Kartause als Ausdruck eines biographischen Textverständnisses

Balázs J. Nemes: oratio generalis sororis Mechthildis. Philologisches Bemühen in der Erfurter Kartause um den authentischen Wortlaut eines Fürbittgebets aus Mechthilds von Magdeburg Lux divinitatis als Ausdruck eines biographischen Textverständnisses, in: Mittellateinisches Jahrbuch 57 (2022) No interest in the author, in the original or in the reconstruction of authentic wording. These were the premises of a small volume by Bernard Cerquiglini, who in the 1990s caused a considerable stir in medieval German studies to reconsider the characteristics of medieval textuality. Based on examples from the branch of the Latin transmission of Mechthild of Magdeburg’s Das Fließende Licht der Gottheit, this article seeks to demonstrate that constellations of reception exist, which are fuelled by an interest in the author and in the original indicating a philological endeavour to (re-)construct the authentic wording. The analysis focuses on a prayer from the Lux divinitatis, which shows that it was not only compared to a German exemplar, but also corrected on the basis of the same exemplar. The time and place of this critical work will be considered by means of the textual history and history of transmission of the prayer as well as further textual witnesses. In relation to the textual origins of the prayer under discussion, the hypothesis is put forward that the seemingly ›reconstructive approach‹ of the Latin wording to Mechthild’s ipsissima verba in the vernacular was chosen in order to provide philologically sound access to the ›authentic experience‹ preserved in the original wording of Mechthild’s act of devotion. Kein Interesse am Autor, am Original oder gar an der Wiederherstellung des authentischen Wortlauts. Das sind die Grundideen jenes schmalen Bandes von Bernard Cerquiglini, der in den 1990er Jahren für Furore gesorgt und u.a. die germanistische Mediävistik veranlasst hat, über die Merkmale mittelalterlicher Textualität nachzudenken. Im vorliegenden Beitrag wird an Beispielen aus dem – wohlgemerkt – lateinischen Überlieferungszweig des Fließenden Lichts der Gottheit Mechthilds von Magdeburg gezeigt, dass es Rezeptionskonstellationen geben kann, die vom Interesse am Autor und seinem Original getragen sind und ein (rekonstruktions-)philologisches Bemühen um den authentischen Wortlaut erkennen lassen. Im Fokus steht ein Gebet aus der Lux divinitatis, dessen Textur deutlich macht, dass es mit einem Exemplar des deutschen Textes verglichen und anhand dieses Exemplars korrigiert wurde. Wann und wo dies erfolgte, wird anhand der Text- und Überlieferungsgeschichte des Gebets und unter Beachtung weiterer Rezeptionszeugen erwogen. In Bezug auf die Entstehungsumstände des hier behandelten Gebets wird die These vertreten, dass die rekonstruktionsphilologisch anmutende Annäherung des lateinischen Wortlauts an die ursprünglich volkssprachig erklungenen ipsissima verba Mechthilds vorgenommen wurde, um einen philologisch gesicherten Zugang zu der im ›originalen‹ Wortlaut festgehaltenen ›authentischen‹ Erfahrung von Mechthild als Betende zu ermöglichen.

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Dokumentation über den überlieferten Buchbestand der Erfurter Kartause, 4. Version

Balázs J. Nemes: Bibliotheca Cartusiae Erfordiensis. Dokumentation über den überlieferten Buchbestand der Erfurter Kartause, 4., korrigierte und erweiterte Version, Freiburg 2022 (Arbeitspapier) URL: https://freidok.uni-freiburg.de/data/224431 Der Versuch, den überlieferten Buchbestand der 1803 aufgehobenen Erfurter Kartause zu erfassen und den Verbleib der im mittelalterlichen Standortkatalog verzeichneten Bände zu ermitteln, wurde von Paul Lehmann 1928 zum ersten Mal unternommen. 60 Jahre später präsentierte Sigrid Krämer eine aktualisierte Dokumentation des erhaltenen Buchbestands der Erfurter Kartause, die im ersten Teil des von Krämer erstellten Nachschlagewerks „Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters“ 1989 erschienen ist. Der von diesen beiden Verzeichnissen erfasste Buchbestand bildet den Grundstock der vorliegenden Übersicht, die eine nach Möglichkeit korrigierte, nochmals aktualisierte und bibliographisch fundierte Dokumentation über den Verbleib von Büchern (Handschriften und Inkunabeln) aus der Kartause Erfurt bietet. Die im Februar 2020 lancierte Dokumentation beruht vor allem auf der Auswertung der einschlägigen Forschungsliteratur (Beschreibungskataloge mittelalterlicher Handschriften, Werk- und Autor-orientierte Repertorien, Monographien, Editionen, Aufsätze etc.), berücksichtigt aber auch neuere und ältere Auktionskataloge, von denen der Eislebener Versteigerungskatalog der Bibliothek des Stiftsregierungsrates Friedrich Gottlieb Julius von Bülow (1760–1831) von 1836 besonders hervorzuheben ist.

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Balázs J. Nemes: Die Überlieferung des ›Legatus divinae pietatis‹ Gertruds von Helfta – eine Übersicht

Balázs J. Nemes: Die Überlieferung des ›Legatus divinae pietatis‹ Gertruds von Helfta – Eine Übersicht, Freiburg 2021 (Arbeitspapier) URL https://freidok.uni-freiburg.de/data/221765. Zu den Besonderheiten der Überlieferung des „Legatus divinae pietatis“ Gertruds von Helfta gehört die Präsenz des Textes in kartäusischen Sammlungszusammenhängen. Dabei bildet die Erfurter Kartause einen der Überlieferungsschwerpunkte. Allerdings kennen wir den Großteil der Handschriften nur aus dem Bibliothekskatalog der Kartause, in dem die entsprechenden Textzeugen vor allem in den Signaturen F und I anzutreffen sind. Das vorliegende Arbeitspapier informiert über den aktuellen Stand der Überlieferung und versteht sich als Plattform, um Neuentdeckungen anzuzeigen. Daher sind korrigierende Hinweise und Ergänzungen willkommen.

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Übersetzung der Einleitungstexte zu den im Rahmen des Projektes neu edierten Signaturengruppen des Bibliothekskatalogs der Erfurter Kartause

Solvejg Willot: Making Mysticism. Mystische Bücher in der Bibliothek der Kartause Erfurt – Übersetzung der Einleitungstexte, Freiburg 2022, URL: https://freidok.uni-freiburg.de/data/223581 Die vorliegenden Übersetzungen bilden eine Ergänzung zur digitalen Edition der projektrelevanten Signaturengruppen, deren in der Lehmannschen Edition von 1928 weitgehend übergangenen Einleitungstexte im Rahmen des Projektes „Making Mysticism. Mystische Bücher in der Bibliothek der Kartause Erfurt“ zum ersten Mal ediert und mit einem Quellenapparat erschlossen werden. Intendiert ist eine synoptische Nutzung, die den Zugang zu den Einleitungstexten des Katalogs erleichtern und so die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit deren Inhalten fördern soll.

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Fundbericht von Balázs J. Nemes zur Publikation angenommen

Balázs J. Nemes: Ein neuer Textzeuge des ‚Geistbuchs‘ und der Eckhart-Predigt Nr. 95A (‚Paradisus‘-Predigt Nr. 46) aus der Bibliothek der Erfurter Kartause, in: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur (vorauss. Jg. 2021, Heft 4) Der Beitrag widmet sich der Berliner Handschrift Ms. theol. lat. oct. 89, die sich als ein bislang unbekannter Textzeuge des ʽGeistbuchs’ und der Eckhart-Predigt Nr. 95A erwiesen hat. Sie ist von besonderer Bedeutung, weil sie unsere Kenntnisse von der Text- und Überlieferungsgeschichte der beiden, hier nur mit kurzen Exzerpten vertretenen Werke erweitert und einen Blick auf die verschollenen Textbestände der ‘mystischen’ Bibliothek der Erfurter Kartause ermöglicht. This article examines the Berlin manuscript Ms. theol. lat. oct. 89, which proved to be a previously unknown textual witness of the anonymous 14th-century treatise ‘Geistbuch’ and Eckhart, Sermon 95A. The manuscript is of special relevance, since it not only widens our understanding of the textual history and transmission of both texts, contained as short excerpts in Ms. theol. lat. oct. 89, but also brings into view the lost book stock of the ‘mystical’ library of Erfurt charterhouse.

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